
Viele Tiere sind schlauer, als man auf den ersten Blick vermuten würde: Sie lösen Probleme, benutzen Werkzeuge, bilden Allianzen und wissen Bescheid über das Wissen der anderen. An der Forschungsstation Haidlhof wird untersucht, ob diese im Tieralltag integrierten Handlungen auch unter kontrollierten Bedingungen wiederholbar sind. Allerdings ist nicht jede schlaue Handlung mit Intelligenz verbunden, viele Verhaltensweisen sind genetisch vorbestimmt.
Grundsätzlich ist der Begriff der ‚Intelligenz‘ eher problematisch, da er stark durch den Begriff der menschlichen Intelligenz geprägt ist. Wir erforschen die einzelnen kognitiven Leistungen von Rabenvögeln und Keas, quasi als Bausteine von Intelligenz. Deshalb wird heute auch eher von ‚Kognitionsforschung‘ als von ‚Intelligenzforschung‘ gesprochen. Ganz allgemein bezeichnen wir mit ‚Intelligenz‘ die Fähigkeit, Probleme im jeweiligen Lebensumfeld zu lösen und Zusammenhänge zu erkennen. Als schlau gelten vor allem jene Vögel, die ihre Probleme nicht schematisch lösen, sondern frühere Erfahrungen auf eine neue Situation übertragen können und dabei sogar vollkommen neue und innovative Lösungen entdecken.
Keas
Der Kea (Nestor notabilis) ist ein winterfester Großpapagei, der in freier Wildbahn nur entlang des Neuseeländischen Alpenhauptkammes lebt. Etwa 45 Zentimeter groß und mit olivgrünem Federkleid bedeckt, gilt er als verspielte Vogelart. „Keas sind die Techniker der Vogelwelt. Einerseits weisen sie eine der langsamsten Jugendentwicklungen auf, andererseits sind sie hochinnovative, opportunistische Generalisten“, erläutert Prof. Dr. Ludwig Huber vom Messerli Forschungsinstitut der VetMedUni. Er ist dort Leiter der Vergleichenden Kognitionsforschung, dem das Kea Lab am Haidlhof zugeordnet ist. Gemeinsam mit Dr. Megan Lambert ist er für die Führung der weltweit wohl größten Keazucht verantwortlich. Zur Zeit sind am Haidlhof rund 26 Tiere, 2 davon noch aus dem ursprünglichen Bestand des Zoos Schönbrunn.
Rabenvögel
Kolkraben und Aaskrähen bilden zusammen die Gattung der Rabenvögel (Corvus) und haben wie die Keas relativ große Gehirne. „Wir möchten verstehen, wozu sich diese großen Gehirne entwickelt haben und zu welchen Leistungen sie genutzt werden“ erklärt Prof. Dr. Thomas Bugnyar von der UniVie. Zur Zeit sind an der Forschungsstation Haidlhof 16 Kolkaben und 10 Krähen, Prof. Bugnyar bezeichnet die Raben als „Taktiker der Vogelwelt“. Sie haben ein hochintelligentes Management, um Futterverstecke anzulegen und zu plündern. Dies führt einerseits zu einer intensiven Kommunikation und Kooperation, andererseits zu gewieften Täuschungsmanövern“, so Bugnyar.
Kune Kune
Schweine sind sehr soziale Tiere. Sie leben in Gemeinschaften, lernen voneinander, begeben sich gemeinsam auf Futtersuche und sind fähig, strategisch zu handeln. Die bis 2022 an der Forschungsstation Haidlhof gehaltene Hausschweinrasse ist seit über drei Jahrhunderten als Freilandrasse in Neuseeland bekannt. Ihr Name: Kune Kune. Die strukturierte Herde bestand aus 39 adulten Schweinen (im Alter von 3 bis 5 Jahren), davon 19 Eber und 20 Sauen. Leider musste die Verhaltensforschung mit dieser Tierart nach 8 Jahren an der Forschungsstation Haidlhof eingestellt werden, die gesamte Gruppe konnte ab Oktober 2022 eine dauerhafte Unterkunft am Gut Aiderbichl in Salzburg finden.



