FORSCHUNG

Das Messerli Forschungsinstitut an der Veterinärmedizinischen Universität Wien beschäftigt sich seit der Gründung 2010 mit Fragen der Mensch-Tier-Beziehung und Tierethik in den Bereichen Biologie, Medizin und Philosophie. Dabei zeichnet das Messerli Forschungsinstitut ein breiter interdisziplinärer Zugang (Biologie, Humanmedizin, Veterinärmedizin, Philosophie, Psychologie, Rechtswissenschaft) und eine starke internationale Ausrichtung aus. Damit wird auch ein gesellschaftlicher Auftrag übernommen, Menschen auf wissenschaftlicher Basis in ihrer Verantwortung gegenüber Tieren zu unterstützen.

Das Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie an der Universität Wien verfolgt einen umfassenden Ansatz zur Erforschung von Kognition und Kommunikation bei Tieren und Menschen. Das beinhaltet stammes- und entwicklungsgeschichtliche Dimensionen, Funktionen und Mechanismen bei Tieren und Menschen, aber auch die Zusammenhänge von Genetik und Umwelt, von Natur und Kultur, und von Evolution und Ethik. Verhaltensendokrinologie, Kommunikation, Sozialverhalten und Mensch-Tier-Beziehungen sind ebenfalls im Spektrum der Forschungsinteressen enthalten.

HAIDLHOF Corvid-LAB

Kolkraben sind Meister darin anderen Raben Futter zu klauen. Trotzdem bilden sie bei der Futtersuche immer wieder Gruppen. Wie sich diese Gruppen zusammensetzen und warum Raben andere austricksen oder mit ihnen kooperieren, wird an freilebenden Vögeln an der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau im Almtal untersucht. An der Forschungsstation Haidlhof liegt der Fokus auf der Erforschung der Intelligenz, die diesen sozialen Manövern zugrunde liegt, z.B. ob Raben verstehen, was andere wissen, denken oder fühlen? Ob sie voneinander lernen können? Am Haidlhof sind zahme Raben daran gewöhnt, regelmäßig an Verhaltensexperimenten teilzunehmen, die Rückschlüsse auf ihre geistigen Fähigkeiten erlauben. Hier wird ihnen eine komplexe soziale Lebensweise mit langzeitlich verpaarten Brutpaaren, Familiengruppen mit Jungtieren und temporären Nichtbrüter-Gruppen ermöglicht, was wiederum den Forschern erlaubt Untersuchungen zur Partnerwahl, Aufzucht von Jungtieren und der Entwicklung von Persönlichkeiten durchzuführen. Zudem können vergleichende Studien mit Raben- und Nebelkrähen zeigen, inwieweit die sozialen Fähigkeiten von Raben artspezifisch sind oder auch für nahe Verwandte gelten.

Zu folgenden Themen wurde bisher u.a. geforscht und publiziert:

  • Brutverhalten
  • Theory of Mind – Im Kopf der Anderen
  • Soziale Taktiken bei Kolkraben
  • Persönlichkeit
  • Netzwerke


HAIDLHOF Kea-LAB

Es gibt mehrere Gründe, die den Kea zur idealen Tierart für Kognitions- und Verhaltensforschung machen. Kea sind höchst neugierig, wir bezeichnen diese Eigenschaft als neophilie. Sie nähern sich neuen Objekten/Versuchsaufbauten mit einer unmittelbaren Neugier, die in der Vogelwelt ihresgleichen sucht. Vermutlich entwickelte sich dieses Verhalten aufgrund der fehlenden natürlichen Feinde (Prädationsdruck) in ihrem Herkunftsland Neuseeland. Die lange Jugendphase und die hohe Lebenserwartung (bis zu 40 Jahre) sind beides Faktoren die theoretisch zur Selektion von hoher kognitiver Flexibilität und erhöhter sozialer Lernfähigkeit beitragen. Zusammen mit ihrem Futtersuchverhalten macht sie das zu einer höchst-explorativen Tierart. Letztlich führt die ständig wechselnde Zusammensetzung ihrer sozialen Gruppe zur Evolution einer hohen Kapazität an toleranten, sozialen Interaktionen, nicht zuletzt ihr ausgeprägtes Spielverhalten.

Zu folgenden Themen wurde bisher u.a. geforscht und publiziert, weitere Informationen hier:

  • Kooperation
  • Vokale Imitation bei Keas
  • Spiel
  • Technische Intelligenz (inkl. Werkzeuggebrauch)
  • Explorationsverhalten


HAIDLHOF PIG-LAB

Die Kune kune leben an der Forschungsstation Haidlhof in nahezu natürlichen Bedingungen: sie werden im Freiland geboren und wachsen dort in einer Gesellschaft von Artgenossen auf, suchen auf natürliche Weise ihr Futter und grasen auf den Weiden bis an ihr natürliches Lebensende. Das sind die idealen Bedingungen um die sozio-kognitiven Fähigkeiten der Schweine zu testen. Zum einen durch standardisierte Beobachtungen (Protokolle, Videokameras) und zum anderen durch ausgeklügelte Verhaltenstests. Da wir annehmen, dass sozio-kognitive Fähigkeiten genützt werden, um die Gemeinschaft in Balance zu halten, Konflikte zu vermeiden und Stress zu minimieren, sammeln wir mit Wattestäbchen Speichelproben der Tiere. Eine gute Immunfunktion ist wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden der Schweine, Stress hingegen kann die Tiere in vielerlei Hinsicht beeinträchtigen.

Zu folgenden Themen wurde bisher u.a. geforscht und publiziert, weitere Informationen hier.

  • Kategorisierung von Menschen
  • Soziales Lernen
  • Was signalisieren die Lautäußerungen von heranwachsenden Schweinen?
  • Stress und Wohlbefinden
  • Transportstress
  • Gemeinschaftsstruktur
  • Informierte Futtersuche
  • Persönlichkeit


WISSENSCHAFTLICHE DRITTMITTEL-PROJEKTE

• Gartenvögel Niederösterreichs, Leonida Fusani / Petra Pesak, NÖ Wissenschaft + Forschung, noch nicht begonnen

• Das Gewichtsverständnis des Kea Papageis, Megan Lambert, FWF Richter Programm, noch nicht begonnen

• Die Neugier des Kea: Kontext, Ursachen und Folgen, Megan Lambert, FWF Stand-alone, 01.08.2021-31.07.2025

• Soziale Erfahrung und Kompetenz bei Raben, Thomas Bugnyar, FWF Stand-alone, 01.12.2020-30.11.2023

• Motorimitation bei Keas, Raoul Schwing, FWF Stand-alone, 01.08.2020-31.07.2023

• Soziales Lernen bei freilebenden Hausschweinen, Ariane Veit, ÖAW-Doktoratsstipendium, 1.03.2019 – 28.02.2022

• Wie beurteile ich meinen Interaktionspartner? Wahrnehmung der sozialen Reputation in Primaten und Korviden, Katharina Wenig, FWF DK Cognition & Communication, 01.10.2017-30.09.2021

• Imitation bei Keas: Fähigkeit, Funktion & Evolution, Melissa Sebilleau, FWF DK Cognition & Communication, 01.10.2017-30.09.2021

• Selbsterkennung und Selbsterkenntnis bei Tieren, Lisa-Claire Vanhooland, UniVie uni:docs Stipendium, 01.10.2017-30.09.2020

• Akustische Überlieferung bei Kolkraben (Corvus corax), Christian Blum, UniVie uni:docs Stipendium, 01.10.2017-30.09.2020