Viele Tiere sind intelligenter, als man auf den ersten Blick vermuten würde: Sie lösen Probleme, benutzen Werkzeuge, bilden Allianzen und wissen Bescheid über das Wissen der anderen. An der Forschungsstation Haidlhof wird untersucht, ob diese im Tieralltag integrierten Handlungen auch unter kontrollierten Bedingungen wiederholbar sind. Allerdings ist nicht jede schlaue Handlung mit Intelligenz verbunden, viele Verhaltensweisen sind genetisch vorbestimmt.

Grundsätzlich gelten Tiere die in komplexen Sozialverbänden leben im Schnitt als intelligenter. An der Forschungsstation Haidlhof können wir die geistigen Leistungen unserer ausgewählten Tierarten beobachten: wie sie ihre soziale Beziehungen pflegen, die Stimmungen und Absichten der Anderen einschätzen oder die Allianzen und Feindschaften im sozialen Netzwerk mitverfolgen oder gar manipulieren.

Keas

Der Kea (Nestor notabilis) ist ein winterfester Großpapagei, der in freier Wildbahn nur entlang des Neuseeländischen Alpenhauptkammes lebt. Etwa 45 Zentimeter groß und mit olivgrünem Federkleid bedeckt, gilt er als verspielte Vogelart. „Keas sind die Techniker der Vogelwelt. Einerseits weisen sie eine der langsamsten Jugendentwicklungen auf, andererseits sind sie hochinnovative, opportunistische Generalisten“, erläutert Prof. Dr. Ludwig Huber vom Messerli Forschungsinstitut der VetMedUni. Er ist dort Leiter der Vergleichenden Kognitionsforschung, dem das Kea Lab und das Pig Lab am Haidlhof zugeordnet ist. Gemeinsam mit Dr. Raoul Schwing ist er für die Führung der weltweit wohl größten Keazucht verantwortlich. Zur Zeit sind am Haidlhof rund 28 Tiere, 2 davon noch aus dem ursprünglichen Bestand des Zoos Schönbrunn.

Rabenvögel

Kolkraben und Aaskrähen bilden zusammen die Gattung der Rabenvögel (Corvus) und haben wie die Keas relativ große Gehirne. „Wir möchten verstehen, wozu sich diese großen Gehirne entwickelt haben und zu welchen Leistungen sie genutzt werden“ erklärt Prof. Dr. Thomas Bugnyar von der UniVie. Zur Zeit sind an der Forschungsstation Haidlhof 14 Kolkaben und 8 Krähen, Prof. Bugnyar bezeichnet die Raben als „Taktiker der Vogelwelt“. Sie haben ein hochintelligentes Management, um Futterverstecke anzulegen und zu plündern. Dies führt einerseits zu einer intensiven Kommunikation und Kooperation, andererseits zu gewieften Täuschungsmanövern“, so Bugnyar.

Kune Kune

Schweine sind sehr soziale Tiere. Sie leben in Gemeinschaften, lernen voneinander, begeben sich gemeinsam auf Futtersuche und sind fähig, strategisch zu handeln. Die an der Forschungsstation Haidlhof gehaltene Hausschweinrasse ist seit über drei Jahrhunderten als Freilandrasse in Neuseeland bekannt. Ihr Name: Kune Kune. Zur Zeit besteht die strukturierte Herde aus 39 adulten Schweinen (im Alter von 3 bis 5 Jahren), davon 19 Eber und 20 Sauen.